Unser Auto
Unser bestes Stück ist unser Auto. Das ‘unser’ muß ich gleich zurücknehmen, denn ich darf nur damit fahren wenn Katharina gute Laune hat. Fahren darf ich auch noch, wenn irgend etwas zu besorgen ist. Also max einmal die Woche. - Ansonsten habe ich einen Chauffeur, der mich zur Arbeit bringt. Er hat eine Uniform. Und dann nimmt er auch noch 20 bis 30 andere Leute mit. An der U-Bahn Hagenbecks Tierpark wechsle ich noch einmal den Chauffeur. Als es im Frühjahr ziemlich schneite und Autos nicht fahren konnten, hat er manchmal über 100 Leute mitgenommen. Manchmal ist er da an meiner Haltestelle vorbeigefahren. Das find’ ich gemein, wo ich doch sonst immer mit ihm fahre.
(Also das Busfahren und das Lesen - ich bin eine unheimlich Leseratte - sind schon wieder ein anderes Thema.) Wenn ich so selten Auto fahre, heißt das noch lange nicht, daß ich nicht dennoch Weltmeister im Fahren bin. (Bärenstark bin ich sogar.) Das kann ich auch beweisen. Ich bin nämlich im Kegelclub. Das ist zwar im Augenblick kein Beweis, aber es gehört doch dazu. Wie es sich gehört, machen wir einmal im Jahr einen Kegelausflug. Seit ein paar Jahren ist das immer eine Rallye. Im letzten Jahr wurden wir allerdings ganz schön verarscht. Da gab es erst eine Kutschfahrt durch die Heide, wobei wir natürlich ziemlich geballert hatten. Als die beiden Pferde endlich den Weg zurück zum Bauernhof gefunden hatten (und der lag ganz schön einsam), durften wir einen Blick in die Scheune werfen; da standen lauter Fahrräder. Und es gab eine Fahrradrallye. Jetzt denk mal an die vielen schlauen Bücher, die ich im Auto hatte und die du doch für eine Rallye immer brauchst. Von meinem wunden Arsch hinterher will ich gar nicht reden.
Dieses Jahr war die Gemeinheit noch viel grösser; da gab’s eine Fußgängerrallye.
Und zum Schluß mußten wir noch mit einem Schlauchboot über einen See rudern.
(Und der war verdammt breit.) „Ein" Paddel gab’s nur. Das war vielleicht ’n
Ding. Unsere Gruppe hatte sich noch ein Stück Borke besorgt. Das war dann unser
zweites Paddel. Der Trick war bärenstark, und wir haben die Paddelei dann auch
gewonnen. Bloss hatten wir alle einen nassen Arsch. Das ist leicht vorstellbar,
denn das Boot war nur für 200 Kg zugelassen. Und nun stell’ dir vor, daß ich
schon über 100 Kg wiege - und wir waren zu dritt. Die Rallye haben wir allerdings
verloren, weil ich beim Pfeilewerfen - meine Spezialität (!) - so schlecht war
und beim Tauziehen ausgerutscht bin. - der Boden im Wald war auch bös nass.
(Aber unser Kegelclub und seine jährliche Rallye sind ein anderes Thema.)
Also zurück: ich bin Weltmeister im Auto fahren.. Auf so einer Rallye war ein Kurs aufgebaut, bei dem es um Geschicklichkeit ging. Da mußtest du vorwärts und rückwärts durchfahren. Beim Vorwärtsfahren bin ich zweiter und beim Rückwärtsfahren bin ich erster geworden. (Beachte mal: beim Rückwärtsfahren!) Und glaub mir, da war erstklassige Konkurrenz. Da waren Experten dabei, die täglich schon von Berufs wegen fahren. Allerdings muß ich zugeben, daß unser (der von Katharina) Fiat natürlich viel geschickter zu fahren ist als der ‘Mercedes 300 Automatik’ von Eckhard.
Jetzt ist es raus: Katharinas Auto ist ein Fiat, ein 128-Modell, Baujahr 1971,
d.h. er hat schon lockere 8 Jahre auf dem Rücken. Glaub man nicht, daß ich auf
Fiat schwör. Das ist ein ganz genauso schwaches Auto wie z.B. der Golf, der
im ganzen Bekanntenkreis ‘rumrostet'. Aber ein Freund von mir hat eine Fiat
Vertragswerkstatt. Und du weisst ja wie wichtig es ist, wenn man in einer Werkstatt
ordentlich aufgehoben ist.. Ich will ja nicht abschweifen, aber von Werkstätten
kann man ganze Bücher vollschreiben. Also die von Bernd ist gut. Und wenn was
auf der Rechnung steht, dann ist es auch gemacht worden. Das ist schon mal viel
wert. Bernd ist allerdings CDU-Fan. Warum (Wen soll ich denn sonst wählen?)
kann er auch nicht sagen, aber das liegt wohl daran, daß sich die Versprechungen
der CDU in den letzten 30 Jahren gerade für den kleinen Mittelstand besonders
schön anhörten. Aber es wird ja sowieso alles anders, wenn erst Echternach Hamburger
Bürgermeister ist. (Der Name ist natürlich austauschbar.) Den Echternach mag
ich eigentlich gar nicht leiden. Der sieht nämlich genau so aus wie ein Klassenkamerad
von mir (der auch in der CDU ist!) und den kann ich überhaupt nicht leiden.
Der hat (ich meine den Klassenkamerad) die Hamburger Uni verlassen, weil der
Statistikschein (!) so schwer war, und hat in Würzburg (!) Examen gemacht. Das
ist da, wo man sein Diplom aus Dankbarkeit bekommt, weil die Professoren sich
freuen, daß die Studenten sich das niedrige Niveau gefallen lassen. Dort hat
er auch promoviert. Immer mit dem dicken Scheck von seinem Vater, der Direktor
einer großen Hamburger Brauerei. Den Namen sage ich nicht, weil das Bier unheimlich
gut schmeckt; aber da dann ja auch mein Klassenkamerad nichts dafür. (Aber die
CDU im allgemeinen und die in Hamburg im speziellen sind ein anderes Thema.)
Ich muß jetzt gestehen, daß ich die ganze Zeit so getan habe, als ob Katharina noch immer den 128er fährt. Der ist längst auf dem Schrott. Und das kam so: Eigentlich wollten wir immer schon ein neues Auto haben, z.B. im letzten Urlaub war ein neues Getriebe fällig. Bist du schon einmal mit einem kaputten Getriebe einen Pass hochgefahren? Das hört sich vielleicht an. Und immer die Angst: Schaffst du es noch? Schaffst du es noch? ( Und das mit 3 Kindern und reichlich Gepäck.) Um es kurz zu machen. Wir verfolgten die Reparaturentwicklung und stellten fest, daß durchschnittlich DM 200,- im Monat für Reparaturen fällig waren. Ein neues Auto kostet DM 11 000,-. Das Geld habe ich nicht, ist doch wohl klar. Die Zinsen für aufgenommenes Geld mußten dagegen gerechnet werden. Das waren auch DM 200,-, wenn man das Geld in 5 Jahren zurückzahlt.
Dieses Jahr im Januar war nun der TUEV dran. Durch die Bodenplatte konnte man
sowieso mit der Hand durchgreifen. Was tun? Wir entschlossen uns (ahnst du eigentlich,
was hinter solch einer Entscheidung steht?) zur Reparatur. Kostenpunkt etwa
DM 800,-. Wir melden uns zum TUEV an natürlich in der Hoffnung, dass erst ein
Termin im März frei ist. Aber denkste. Der Wagen kann gleich vorgeführt werden.
Nun denn, bis zum Juni muß der Wagen dann halten, damit die Reparatur (im Vergleich
zu den Zinsen und Tilgung) sich lohnt. Das klappt auch ganz gut. Ende Juli fält
dann der Auspuff ab. So ganz richtig ist er nicht abgefallen, aber geröhrt hat
er wie ein Rheinkahn. Und nun kommt das Ende.
Wir wollen nach Wittenbergen an die Elbe - zum Trimmpfad (wegen der Gesundheit). Wir sind ja eine sportliche Familie. Kurz vor dem Schleifmittelwerk in der Flurstraße fällt der Auspuff auf die Straße. Mit einer gewaltigen Kraftanstrengung reisse ich ihn ganz ab. Wenn die Strassenreinigung ihn nicht mitgenommen hat, muss er da noch im Rinnstein liegen. Nun gut, der Wagen fährt ja noch. 300 Meter weiter tut es einen fürchterliche Schlag. Der Wagen lässt sich kaum noch lenken. Ich steige aus; das gehört sich ja auch als Beifahrer. Doch zu sehen ist nichts. Ganz, ganz vorsichtig fahren wir weiter. In Wittenbergen fahre ich den Wagen und Katharina guckt vom Straßenrand. Nun wird klar, woher das tierische Geräusch kommt. Der linke Vorderreifen schleift am Kotflügel. Ich habe dann erstmal den Kotflügel ausgebeult - so gut es eben ging. Jetzt wird erst einmal getrimmt.
Auf dem Rückweg lassen wir die Kinder (Unsere drei und noch der Neffe aus Böblingen,
der die Sommerferien bei uns verbringt.) in Blankenese aussteigen. Kohle für
die S-Bahn haben wir nicht. Aber am Sonntagmorgen gibt es ja keine Kontrolle,
und die Kinder kommen auch heil nach Hause. Katharina und ich juckeln mit Tempo
20 weiter. Das Steuerrad muß eine volle Umdrehung eingeschlagen werden, damit
der Wagen überhaupt geradeaus fährt. Wir kommen auch heil an - allerdings schweissgebadet.
Nachmittags verzichte ich - und das kommt nur in allerschlimmsten Fällen vor
- auf meinen Mittagsschlaf und fahre den Wagen mit eingeschaltetem Notlicht
vor Bernds Werkstatt. Das war noch schlimmer als das eine Mal, als ich ohne
Bremsen in die Werkstatt gefahren bin. Da gab’s ja immer noch die Handbremse.
Bloss beim Schalten und beim Rauchen musste ich die Hand von der Bremse nehmen.
Es war natürlich Rush-Hour. Oh Gott, oh Gott!!!
Abends sind wir dann zu Bernd in die Wohnung gefahren. Kfz-Brief und Schein habe ich ihm auf den Tisch gelegt und gesagt: „Das schenke ich Dir." Das war eigentlich eine Grosstat, denn schliesslich hatte der Wagen noch eine TUEV-Plakette bis 1/82. Doch die Vorderradaufhängung, die linke und böse, war so im Eimer, daß nur der Schrott noch blieb. Das Schönste kommt jetzt. Bernd fährt den Wagen (mit eingeschlagenem Steuerrad - wegen der Geradeausfahrt, du erinnerst dich doch noch) zum Schrottplatz. (Was er mit den Reifen, die noch Klasse waren, gemacht hat, hat er mir übrigens nicht erzählt) Kaum ist er an der Haferbrücke, da streckt das beknackte Auto alle Viere von sich und Bernd muß den Wagen auf den Haken nehmen. Doch das geht mich ja nichts mehr an. Schließlich hab ich den Wagen ja verschenkt.
Bernd hat Katharina dann einen neuen Fiat verkauft. Die Mauscheleien bei Lieferzeit, Farbe und Extras sind ein anderes Thema. 14 Tage später (Lieferzeit 12 Wochen) hat Katharina ihr neues Auto. Und ich habe 11 000,- DM mehr Schulden. Es ist übrigens ein Ritmo. Auch ist ja wohl klar, daß ich jetzt nur noch alle 14 Tage einmal fahren darf.
Ich bin natuerlich auch zu erreichen unter: |
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Hamburg, den 15. November 2002